Trennung in Wittgenstein I und II
Hier ist die systematische Trennung der Konzepte aus dem Video, unterteilt in die beiden großen Schaffensphasen Ludwig Wittgensteins:
# **Wittgenstein I: Der Logiker (Der „Tractatus“)**
In dieser Phase (ca. 1921) sieht Wittgenstein die Sprache als ein starres, logisches Abbild der Welt. Alles, was nicht logisch präzise abbildbar ist, ist „Unsinn“.
- **Die Abbildtheorie:** Sprache hat die Aufgabe, Tatsachen in der Welt wie ein Modell oder ein Bild darzustellen.
- **Die Welt als Gesamtheit der Tatsachen:** Die Welt besteht nicht aus Dingen, sondern aus Tatsachen (Satz: „Die Welt ist alles, was der fall ist“).
- **Logische Sinnhaftigkeit:** Ein Satz ist nur dann sinnvoll, wenn er einen Sachverhalt beschreibt, den man empirisch (naturwissenschaftlich) überprüfen kann.
- **Die 16 Wahrheitsoperationen:** Er versucht, die gesamte Sprache auf mathematisch-logische Grundstrukturen zurückzuführen.
- **Das Schweigegebot:** Über Metaphysik, Religion, Ethik und das „Höhere“ kann man nicht logisch sprechen. Daher muss man darüber schweigen.
- **Idealsprache:** Das Ziel ist eine perfekte, eindeutige Sprache, in der Missverständnisse unmöglich sind.
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# **Wittgenstein II: Der Pragmatiker (Die „Philosophischen Untersuchungen“)**
In seiner späten Phase (nach seiner Zeit als Volksschullehrer) erkennt er, dass Sprache viel lebendiger und unlogischer ist. Sie ist ein Werkzeugkasten, kein starres Abbild.
- **Die Sprachspiele:** Sprache wird nicht mehr als Abbild, sondern als Spiel mit Regeln verstanden (wie beim Bauarbeiter-Beispiel: „Platte!“, „Würfel!“).
- **Bedeutung durch Gebrauch:** Ein Wort hat keine feste, eingebaute Bedeutung mehr. Die Bedeutung ergibt sich erst daraus, *wie* wir es in einer bestimmten Situation benutzen.
- **Die Lebensform:** Sprache ist untrennbar mit unserem Handeln und unserer Kultur verwoben. Wer die Sprache spricht, nimmt an einer „Lebensform“ teil.
- **Die Stadt-Analogie:** Sprache ist wie eine alte, gewachsene Stadt mit verwinkelten Gassen (alte Wörter) und modernen Vierteln (neue Begriffe).
- **Regelgefolgschaft:** Kommunikation funktioniert nur, weil wir uns (oft unbewusst) auf gemeinsame Regeln geeinigt haben, ähnlich wie beim Schachspiel.
- **Therapie statt Theorie:** Philosophie soll die Sprache nicht mehr korrigieren, sondern nur noch beschreiben, wie sie tatsächlich verwendet wird, um „sprachliche Verwirrungen“ zu heilen.
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# **Zusammenfassender Vergleich**
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| **Hauptwerk** | Tractatus Logico-Philosophicus | Philosophische Untersuchungen |
| **Sprachbild** | Ein Spiegel/Bild der Welt | Ein Werkzeugkasten / Spiel |
| **Bedeutung** | Logische Zuordnung zu Tatsachen | Sozialer Gebrauch im Alltag |
| **Ziel** | Eine ideale Logik finden | Den tatsächlichen Gebrauch beschreiben |
| **Ethik** | Unaussprechlich (Schweigen) | Ein Teil des sozialen Sprachspiels |